Mittwoch, 14 Juni 2017 12:16
Kategorie: Presse

Lebensqualität, auch wenn Heilung nicht mehr möglich ist

KGMV veröffentlicht Konzept zur stationären Palliativversorgung im Krankenhaus

Schwerin, den 14. Juni 2017. Menschen mit einer voranschreitenden, weit fortgeschrittenen Erkrankung und mit einer begrenzten Lebenserwartung benötigen ganz spezielle Zuwendung, Behandlung und Pflege. Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, geht es in dieser letzten Lebensphase vor allem um Lebensqualität. Das ist Ziel der Palliativmedizin. Erstmals in Deutschland haben Palliativmediziner und Pflegefachkräfte aus verschiedenen Krankenhäusern Mecklenburg-Vorpommerns - dem kleinen Haus in Bützow ebenso wie den beiden Universitätskliniken - im Arbeitskreis Palliativmedizin der KGMV gemeinsam ein „Konzept zur stationären Palliativversorgung im Krankenhaus“ erarbeitet. Es wurde heute von der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin vorgestellt.
 
Das Konzept kann als umfassender Leitfaden für alle gelten, die an der Behandlung und Betreuung der betroffenen Patienten beteiligt sind. Detailliert beschreibt es sämtliche Bereiche der Palliativversorgung im Krankenhaus.
Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der KGMV: “Es ist ein Konzept aus der Praxis für die Praxis. Es sind Erfahrungen aus vielen unserer Krankenhäuser mit eingeflossen. Deshalb kann es auch in allen Häusern, ob sie nun Grundversorgung oder Maximalversorgung leisten, umgesetzt werden.“ Ziel sei es, überall eine qualitativ hochwertige stationäre Versorgung von Palliativpatienten aller Fachabteilungen zu sichern und gleichzeitig auch eine systematische Überleitung in die eigene Häuslichkeit zu gewährleisten. Angehörige und Zugehörige würden eng einbezogen. „Jeder Patient hat im Bedarfsfall einen Anspruch auf eine palliativmedizinische Versorgung“, bekräftigt der KGMV-Chef.
In der Palliativversorgung geht es vor allem um die Wünsche, Ziele und das Befinden der Patienten - Menschen mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern und Symptomen. Dabei müssen auch die emotionalen Belastungen und die Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben der Patienten und ihrer Bezugspersonen betrachtet werden. Nicht die Krankheit wird behandelt, sondern der Mensch in seiner ganzen Persönlichkeit. Nicht Lebensverlängerung um jeden Preis, sondern Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität stehen im Vordergrund aller Bemühungen.
Daher erfolgen Behandlung und Betreuung der Patienten durch ein Multiprofessionelles Team. Besonders qualifizierte Ärzte und Pflegende arbeiten hier gemeinsam mit Sozialarbeitern, Psychologen, Therapeuten, z.B. für Physiotherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie, mit Seelsorgern und auch ehrenamtlichen Hospizhelfern. Sie kooperieren mit medizinischen Zentren, anderen Krankenhausabteilungen, mit Hausärzten, ambulanten Pflege- und Hospizdiensten und weiteren Einrichtungen. Die stationäre Palliativmedizin sieht sich als Teil eines patientenzentrierten Netzwerks.
Das Konzept definiert stationäre Palliativmedizin sowie die dafür notwendigen Strukturen und Leistungen, von der Zusammensetzung und Zusammenarbeit des Multiprofessionellen Teams, über die Palliativpflege – für die es ein eigenes Leitbild gibt - bis hin zur Trauerbegleitung der An- und Zugehörigen, von der Qualifikation, der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter bis hin zu den baulichen Voraussetzungen.
Krankenhäuser, die bisher noch über kein spezialisiertes Palliativpersonal verfügen, werden entsprechend dem Konzept einen Palliativbeauftragten einsetzen. Er wird für eine angemessene Behandlung und Betreuung der bedürftigen Patienten sorgen, darauf achten, dass die Qualitätsstandards für die Palliativversorgung eingehalten werden, ist für die Vernetzung mit ambulanten oder anderen stationären Palliativversorgern im Umfeld zuständig und entwickelt ein hausinternes Konzept für die interprofessionelle Palliativversorgung. Er ist auch Ansprechpartner und organisiert Fortbildungen.
„Unser Wunsch ist es, dass das Palliativkonzept als Landeskonzept in den Landeskrankenhausplan übernommen wird. Damit hätten die Krankenhäuser neben einer internen praktischen Handlungsanleitung den Effekt, dass die detaillierten Definitionen und Empfehlungen nicht nur von ihnen, sondern auch von Dritten zu beachten sind“, sagt Wolfgang Gagzow.
Über die Erarbeitung des Konzepts hat die KGMV Ende November 2016 in der Beratung des Runden Tisches Hospiz- und Palliativversorgung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit bereits informiert. Gagzow: „Das Ministerium signalisierte bereits großes Interesse. Das freut uns und stimmt uns optimistisch“
 
Hintergrund
Seit 2013 beschäftigen sich Palliativmediziner und qualifizierte Pflegekräfte aus 16 Krankenhäusern im Arbeitskreis Palliativmedizin der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommer mit dem Thema Palliativversorgung im Krankenhaus. Als Quellen für dieses Konzept dienten das „Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung“, die S3-Leitlinie Palliativmedizin sowie Hinweise der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. Eingeflossen sind aber auch die jahrelangen Erfahrungen der Palliativmediziner, Pflegefachkräfte und anderer Berufsgruppen aus den Krankenhäusern Mecklenburg-Vorpommerns.
Bereits Mitte 2015 hatte dieser Arbeitskreis eine „Handlungsempfehlung zur Symptomkontrolle bei Entlassung in die Häuslichkeit“ erarbeitet. Diese wurde als Information an die Krankenhäuser gegeben und auf der Homepage der KGMV veröffentlicht. Die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern veröffentlichten sie ebenfalls auf ihren Internetseiten. Sie enthält Hinweise u.a. zur ganzheitlichen und medikamentösen Behandlung einschließlich naturheilkundlicher und komplementärer Verfahren zur Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsmedizin, zum ambulanten Hospizdienst und zu psychologischer Unterstützung. Sehr detailliert wird auf die Kontrolle von Symptomen, wie Schmerz, sowie auf die medizinisch-pflegerische und medikamentöse Reaktion hingewiesen. Weiterhin gibt es einen von diesem hochengagierten Arbeitskreis der KGMV erstellten Notfallplan Palliativmedizin mit Empfehlungen für die Notfalltherapie.
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